Trainingslager und Saisonauftakt am Sachsenring


Zur Vorfreude, die ich jedes Jahr auf die Zeit auf Mallorca empfinde mischte sich dieses Jahr auch etwas Wehmut, da zwei wichtige Begleiter fehlen, die wesentlichen Anteil daran haben, dass diese Zeit für mich stets so wertvoll war und immer bleiben wird. Zum einen mein Zimmerkumpane Martin, den wir an Job und Karriere ausgeliehen haben aber vor allem Nico, den der Tod letztes Jahr viel zu früh aus unsere Mitte gerissen hat - der aber im Herzen hin und wieder einige Meter mitrollt, wenn an manchen Orten und in bestimmten Situationen Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse und Momente wiederkehren. 
In Gedanken bleibt mir nur danke zu sagen, dafür das wir uns begegnet sind und diese wunderbare Zeit gemeinsam erleben konnten. Es war mir ein Vergnügen!


Trotz allem bin ich froh, das sich auch in diesem Jahr wieder eine schlagkräftige Truppe aus alten Bekannten und neuen Gesichtern zusammenefunden hat.
Wettertechnisch kann man schon an der "Bräunungskante", die dieses Jahr am  Handgelenk und nicht wie üblich am Oberarm liegt erkennen, dass die Temperaturen 18 ºC nicht wirklich überschritten haben.
Aber bis auf einen Tag, an dem wir Aufgrund von Regen, vor allem aber des starken Windes wegen nicht auf's Rad gestiegen sind, konnten wir super trainieren. In der ersten Woche kurvten wir im Grundlagentempo, über die Insel, immer mal wieder begleitet von kurzen Regenschauern. Um auch einige Höhenmeter zu sammeln steuerten wir die Anstiege zum San Salvador und Randa an, die ich nutzte um die Beine mal etwas Intensiver zu belasten.
Ende der ersten Woche ging dann ein Magen-Darm Infekt um, der die Gruppe der zu sportlichen Anstrengungen fähigen etwas kleiner weden ließ, worauf hin wir die Blöcke etwas schieben mussten. Ziel der 2. Woche war es, einen 200er und eine große Bergrunde zu fahren. 

200: Tina, Michael und Martin waren inzwischen abgereist, Steffen A fiel krankheitsbedingt aus. Maxi -gerade wieder genesen und der 3. Steffen, der sich das noch nicht zutraute, begleiteten uns bis Santa Maria und fuhren dann am Fuß des Gebirges zurück. Übrig blieben dann Stefan, Renè und meine Wenigkeit, um das Unterfangen umzusetzen. 
Stefan meinte zwar noch Scherzhaft, das es doch auch möglich sein müsste die 200 km kürzer zu fahren, dass wurde aber für quantenmechanisch nicht durchführbar befunden und verworfen.  Also tuckerten wir los, über Llucmajor zur Küstenstraße, dieser folgten wir dann bis Porto Cristo, wo wir noch einen kleinen Schauer abbekamen. Mit Abkürzung über Manocor (wie langweilig) wieder auf die Küstenstraße und zurück ins Hotel.  
Mit Maxi und Stefan war es am vorletzten Tag Zeit für die lange Bergrunde. Beim Strat am Hotel hatten wir strahlend blauen Himmel und angenehme Temperaturen. Auf dem Weg nach Valldemossa trübte es sich jedoch zusehends ein und es wurde ganzschön kalt. Wir fuhren jedoch weiter und zum Glück bestätigte sich mein ungutes Gefühl mit dem Wetter nicht und der Himmel klarte in Richtung Deja auf. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt über den Col de Soller und Orient zeigte sich das Wetter nochmal von seiner schönen Seite und wir konnten einige tolle Ausblicke auf die Landschaft von Mallorca genießen. Oben am Kloster Lluc genehmigte uns Tourbefehlshaberin Maxi, noch ne kleine Kaffepause, bevor wir uns auf den Rückweg über Pollenca machten. Am letzten Tag drehten wir noch ne gemütliche Runde zum Kap Formentor und damit sind die zwei Wochen auch schon wieder rum. Danke an alle beteiligten, es hat mir riesen Spaß gemacht, mit euch die Insel unsicher zu machen.
Saisonauftakt am Sachsenring

05:30, der Wecker klingelt, draußen - Nieselregen - 'was für'n Scheiß', warum hatte ich gestern extra das Rad pikobello geputzt? -> weil schönes Wetter abgesagt war?! - na danke Petrus! Dusche, und dann Frühstück? Guter Plan! In der Küche sitzen schon meine Mittbewohner, die gerade vom Partyleben nach hause gekommen sind - Zusammentreffen zweier Parallelwelten. Als die Kaffeemaschine gluckert werd ich langsam munter. Ich bin gerade fertig, da klingelt es schon.
Zusammen mit Teamkameraden Gilbert und seiner Freundin Solly geht's los. Während der Fahrt werden noch die Trainingslagererlebnisse ausgetauscht und kurz hinter Chemnitz hört es zum Glück auf zu regnen. Nach der Anmeldung war erstmal warmfahren und testen des Kurvengrips angesagt, trotz der Nässe konnte man diese aber mit vollem Tempo fahren. 
09:00 war Start, 15 Runden á 3,6km mit je 3 "Wellerchen". Nach dem Start versuchten Gilbert und ich abwechselnd in Gruppen mit zu gehen, was allerdings wenig erfolgreich war, da diese immer wieder eingefangen wurden. Da das Hauptfeld im Rennverlauf nicht kleiner wurde entschied ich mich gegen Rennmitte mal zwei Runden etwas zügiger zu fahren um dies zu erreichen und tatsächlich fielen dann einige Fahrer hinten raus, sodass diese jetzt noch aus ca 20 Fahrern bestand. Als noch ungefähr fünf Runden zu  fahren waren, bildete sich wieder eine Gruppe, die sich nun auch absetzen konnte und deren Mitglieder dann den Sieg unter sich ausmachten. Ein Mitglied dieser Gruppe war Gilbert, der einen guten Riecher bewies. Meine Aufgabe war nun natürlich abzuriegeln, das Tempo im Hauptfeld zu verschleppen und mit zu gehen, wenn andere Fahrer attackieren. Es dauerte aber nicht lange, da war die Gruppe aus unserem Blickfeld verschwunden. Folglich begann ich nun zu überlegen, wie ich das Ziel vor dem Hauptfeld erreichen könnte. Gedanken habe ich mir darüber bereits vor dem Rennen gemacht -  Spätestens in der vorletzten Runde wollte ich angreifen, an dem Plan hielt ich erstmal fest. Doch schon als ich nach der drittletzten Runde zum Zielanstieg hochfuhr bot sich die Gelegenheit es zu probieren. Als ich diesen etwas zügiger hochkurbelte, entstand eine Lücke zwischen mir und dem Hauptfeld, zusätzlich hatte sich vorher ein weiterer Fahrer abgesetzt, der sich nun 50 Meter vor mir befand. 'Die Chance musst du nutzen' - sagte ich mir und schaltete nochmal auf's Große, beschleunigte und konnte die Lücke bis zum Ende der Start/Zielgerade schließen. Im Feld tat sich derweil nix und deshalb gab es für mich jetzt nur noch eine Devise - Gas geben. Sechs Rampen noch in den verbleibenden 2 Runden - sechs mal schmerzen - sechs mal Sterne sehen. Die verletzte Runde ging noch, aber in der finalen Runde war ich nach jeder Rampe stehend ko. 'Komm schon!!! geht noch!!! den anderen geht's auch nich besser' sagte ich mir, aber das Feld kam immer näher. Am letzten Anstieg fuhr ich die letzten Meter auf dem kleinsten Gang und ich verbog mir förmlich die Beine dabei - nix ging mehr. Als ich mich umdrehte sah ich das Feld - 'immer noch n paar Meter vorn - das schaff ich!!!' Trittfrequenz nochmal erhöhen, auf's Blatt schalten und beschleunigen 'bloß nicht nachlassen, die sind genauso grau wie du' jetzt ist jeder Meter Vorsprung soviel wert wie 10, gleich nach dem Start'.  Um mich herum nahm ich alles nur noch verschwommen wahr, aber irgendwie schaffte ich es, mich mit einigen Metern Vorsprung ins Ziel zu retten. 
Zum Glück nich wieder übersprintet wie im letzten Jahr!!! - am Ende sechster Rang für mich und Gilbert konnte aus der Gruppe heraus den 3. Platz erkämpfen. 
Das nenne ich doch mal nen gelungenen Saisoneinstand!

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